Traditionelle Prima-Menüs aus Leopoldshöhe

Traditionelle Prima-Menüs aus Leopoldshöhe

„Prima Menü“ heißt es heute und stellt hochwertige Tiefkühlgerichte her

Vor 15 Jahren hatte Michael Pauls genug von den Großunternehmen. „Ich wollte meine eigene Philosophie umsetzen in punkto Nachhaltigkeit und Qualität,“ erzählt er. „Und wenn die Konzerne das nicht hinkriegen, dann muss man es eben selber machen.“ Michael Pauls kündigte und gründete sein eigenes Unternehmen: „Prima Menü“ heißt es heute und stellt hochwertige Tiefkühlgerichte her. Und wenn es auch keine lange Tradition hat, so könnte es doch eine begründen, so konsequent hat Michael Pauls umgesetzt, was er sich damals vorgenommen hatte: „Traditionelle Rezepturen in einer modernen Umsetzung.“ Modern sind zum Beispiel die Verpackungen der Prima- Menüs: Sie sind zu 90 Prozent aus Zellulose statt aus Alu oder Plastik, und die stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Modern ist auch, dass Pauls seit Anfang des Jahres nur noch mit grünem Strom produziert.

Westfälischer Grünkohl im Dornröschenschlaf

Westfälischer Grünkohl im Dornröschenschlaf

Michael Pauls folgt konsequent seinen Werten von Nachhaltigkeit und Qualität Traditionell ist das Essen: Wirsing- Auflauf, Grünkohl-Topf oder Schnitzel Wiener Art. Traditionell sind die Rohstoffe. Die meisten stammen aus der Region. Wirsing und Grünkohl zum Beispiel kommen aus dem Münsterland. Traditionell ist auch der Umgang mit den Angestellten – und zwar im besten Sinne: Die meisten kennt Pauls schon seit Jahren. „Jeder einzelne Mitarbeiter ist bei uns qualifiziert worden, ist mit uns gewachsen. Als wir ein neues Werk gebaut haben, haben wir deswegen gesagt, jetzt gehen wir nicht in den Osten und kassieren 50 Prozent Steuersubventionen, sondern bleiben hier in Ostwestfalen mit der Stammmannschaft, die wir aufgebaut haben.“ Mit ihr produziert er heute bis zu 100.000 Essen am Tag. Voll-Convenience hieß die Marktlücke, die er entdeckt hatte: Fertigmenüs mit Geling-Garantie. „Wir kochen das Essen genau auf den Punkt, legen es dann durch Schockgefrierung schlafen, und nach dem Dornröschenschlaf, genau dann, wenn der Verbraucher es will, bekommt er etwas, wo er sagt: ‚So hat meine Mama früher gekocht.’“ Dafür muss Pauls genau wissen, wie er den Wirsingauflauf vorbereiten muss, der hinterher aus der Mikrowelle oder dem Backofen kommt. Wie weit wird das Gemüse vorgegart, wie muss der Belag beschaffen sein? „Alle Komponenten müssen funktionieren, und zwar in der gleichen Zeit,“ sagt Pauls.

Die Kunst ist die Kälte

„Das Geheimnis der Frische ist unsere Methode der Schockfrostung,“ erklärt Pauls. „Bei uns ist das Produkt in wenigen Minuten gefroren. Fast kein Hersteller kann das so wie wir. Das ist ein patentiertes Verfahren, und wir benutzen dafür natürliche Kühlmittel.“ Der Grünkohl dampft noch, wenn er abgefüllt wird - und ist innerhalb weniger Minuten in der riesigen Kühlkammer. „Wenn Sie Himbeeren einfrieren, dann sind die hinterher immer matschig, weil der Prozess zu langsam ist.“ Die Hallen, in denen diese Kunst zelebriert wird, sind geräumig, gut klimatisiert und perfekt durchdacht. Pauls Idee von Nachhaltigkeit geht über den Umweltschutz hinaus. Auch die Mitarbeiter sollen sich wohl fühlen. Hier hat jeder einen Bereich, für den er voll verantwortlich ist. Alle müssen sich aufeinander verlassen können. Das verbindet – und funktioniert: „Druck und Angst sind keine Voraussetzungen für Erfolg,“ sagt Pauls: „Spaß ist die Voraussetzung für unverkrampften Erfolg.“

„Spass ist die Voraussetzung für Erfolg“

Und perfekte Organisation. Hier ist alles lückenlos dokumentiert: „Wir können bei jedem Pfefferkorn aus Ceylon nachvollziehen, in welchem Kochkessel es war, und in welcher Packung es gelandet ist,“ sagt Pauls sichtlich stolz. „Das ist eine Präzision, die ich sonst nur aus der Pharmazie kenne.“ Die Maschinen sind flexibel und können immer wieder so zusammengestellt werden, wie es das Menü erfordert, das gerade hergestellt wird. Im Moment laufen „Penne Napoli“ über das Band. Eine so genannte Mehrkopfwaage dosiert die Nudeln grammgenau. 70 Portionen pro Minute schafft die Maschine. Zwei Verteilerstationen füllen die Soße dazu. Die Menschen greifen nur ein, wenn etwas nicht läuft. „Das hat wenig mit Tradition zu tun,“ gibt Pauls zu, „aber acht Stunden am Tag steht niemand mit der Kelle da. Da fällt Ihnen der Arm ab, und wenn es nur 100 Gramm Nudeln sind.“ Am Ende des Bandes wird jede Packung gewogen: 150 Gramm Nudeln müssen drin sein und 250 Gramm Soße. Wo etwas fehlt, wird aufgefüllt. Alle anderen Schalen werden verschlossen und fahren jetzt in die riesige Kühlkammer. Minus 48 Grad zeigt das Thermometer. 120 Minuten lang bleiben sie hier drin, bis das Essen im Kern minus 25 Grad hat. Danach kann es eine Dreiviertelstunde lang draußen bleiben, ohne dass es zu warm wird, aber bis dahin steht es längst im Tiefkühllager. Dort herrschen minus 27 Grad, aber der Lagerarbeiter hat trotzdem nur ein T-Shirt an. „Der hat früher in Sibirien gelebt,“ sagt Pauls und lacht. Hier beim Verpacken haben auch seine zwei Kinder ihr erstes Taschengeld verdient. Inzwischen arbeiten beide in der Firma mit. Pauls freut sich, dass sein Werk weitergeführt werden kann. „Das ist auch ein Grund, warum man so was tut. Ich will die Firma ja nicht einfach irgendwann für viel Geld verkaufen. Da steckt schon mein Herzblut drin.“

Nachgefragt - Michael Pauls Gründer und Geschäftsführer Prima-Menü GmbH

Frage: Warum haben Sie Ihre eigene Firma gegründet? Antwort: Ich war damals 35, und mir wurde klar, dass man eigentlich nur Dinge bewegen kann, indem man sie vorlebt. Und ich fand, dass mir nur die Selbständigkeit die optimale Möglichkeit gab, das zu tun. Es hat nicht immer sofort funktioniert. Wir haben dabei eine Menge lernen müssen, aber das macht das Leben ja auch spannend. Frage: Was wollten Sie denn vorleben? Antwort: Zwei Dinge vor allem: Nachhaltigkeit und Qualität. Wir bemühen uns Abfall zu vermeiden. Unsere Verpackungen sind genau durchdacht, wir kühlen mit natürlichen Kühlmitteln. Und wir kontrollieren alles ganz genau, ziehen von jedem Produkt mikrobiologische Proben und untersuchen sie. Aber zur Nachhaltigkeit gehört auch, dass sich die Menschen hier wohl fühlen. Leistung darf Spaß machen und Leistung darf auch gerecht sein. Wer hier arbeitet ist am Erfolg der Firma beteiligt – und auch am Misserfolg. Ich sage immer: Das Leben ist nicht Vollkasko, aber es ist spannend. Frage: Wie spannend war es denn zu Anfang? Wie schwierig war der Start? Antwort: Am Anfang habe ich alles selber gemacht: Kochen, Programme schreiben, Verpacken. Das ist einfach so, wenn man von Null beginnt. Meine Familie hatte nicht das große Geld. Aber das ist auch hilfreich, weil Sie jedes Problem verstehen. Alles, was wir hier tun, hab ich selbst durchlebt. Frage: Wie wichtig war die Familie dabei? Antwort: Meine Frau war von Anfang an mit dabei. Das ist auch eine Möglichkeit, Nähe zu leben. Da wächst Harmonie, wenn es gut klappt. Heute macht sie alles, was mit Computern zu tun hat und die Finanzbuchhaltung. Davon habe ich inzwischen gar keine Ahnung mehr. Und meine Kinder haben zuerst geklagt, dass ich nie Zeit hatte. Aber inzwischen arbeiten sie beide mit. Mein Sohn hat Marketing und Vertrieb studiert und baut jetzt für uns den Export auf. Und wenn er in anderthalb Jahren seinen Master gemacht hat, dann müssen wir mal überlegen. Ich bin jetzt auch schon 50, und ich finde es gut, wenn ein frischer Geist ins Unternehmen kommt.

Betrieb & Tradition

Prima-Menü bietet anspruchsvolle Tiefkühlgerichte, darunter herzhafte westfälische Klassiker wie Grünkohltopf oder Wirsingauflauf. Firmengründer Michael Pauls legte von Anfang an großen Wert auf Nachhaltigkeit. Die Gerichte sind in Karton-Trays verpackt, die zu 90 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen und deren CO-2-Bilanz doppelt so gut ist wie die von Aluminium-Schalen. Die Firma begann als Untermieter der bekannten Bielefelder Großküche Meyer. 1999 wurde in Leopoldshöhe in Ostwestfalen ein eigenes Werk gebaut. Pauls entschied sich bewusst dafür, in der Region zu bleiben, um mit der alten Stammbelegschaft weiterarbeiten zu können und die gewachsenen Kontakte zu Zulieferern aus der Region weiter zu nutzen.

Bild: Betrieb & Tradition
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