Knackige Möhren von Bauer Brun aus Borken

Knackige Möhren von Bauer Brun aus Borken

Tobias Brun erntet

Möhren so lange er denken kann. „Es hat nie etwas anderes gegeben,“sagt er. Sein Großvater hat schon damit angefangen. „Der hatte noch einen Bauernhof, wie er typisch war damals, mit ein paar Kühen und Schweinen, und angebaut wurde alles, was hier im Münsterland wuchs: Blumenkohl, Sellerie, Spinat – und eben Möhren." Die alte Halle, in der sie früher gewaschen wurden, steht noch, aber sie wird nicht mehr benutzt. „Damals, in den 60er Jahren, flogen nur die gelben raus und die Steine, und alles andere kam in Beutel. Lang, klein, krumm, das war egal,“ erzählt Tobias Brun.

Früher war die Form egal

Damals haben sie hier in Borken im ganzen Jahr 600 Tonnen Möhren verpackt, jetzt schaffen sie das in einer Woche. Tobias Brun leitet inzwischen gemeinsam mit seinem Vater Bernhard einen Großbetrieb, denn die Maschinen für Ernte, Aufbereitung und Verpackung sind teuer. Das lohnt sich nur bei großen Flächen. Auf 300 Hektar bauen sie Waschmöhren an, dazu kommen 50 Hektar mit Bundmöhren, außerdem Porree und Petersilie, und mehrere Vertragsbauern liefern Sellerie – und Lagermöhren, so dass sie auch im Winter frische Möhren anbieten können. Das Besondere aber ist: Die Bruns machen alles selbst, vom Säen bis zum Ausliefern. „Wir bieten alles aus einer Hand,“ sagt Tobias Brun stolz.

Das ist beim Möhrenanbau nicht ganz unwichtig, denn man kann einiges falsch machen. Bernhard Brun ist 62. Er hat schon viele Sommer auf dem Feld verbracht, aber er sagt trotzdem: „Es können immer Fehler passieren: Säe ich oder nicht ? Hält das Wetter lange genug für die Ernte? Wenn es nass ist, können Sie nicht roden. Wenn es zu trocken ist auch nicht.“ Die ersten Bundmöhren des neuen Jahres haben die Bruns jetzt gerade gesät. Der starke Frost muss vorbei sein. Das hat diesmal lange gedauert. Um die neue Ernte als erster auf den Markt zu bringen, muss man die kleinen Tricks kennen: Die Bruns haben für die erste Saat sonnigste Standorte ausgesucht und die sandigsten Böden, die sich schnell erwärmen. Erst ab 15 Grad wachsen die Möhren richtig. Deshalb werden sie am Anfang auch mit Vlies abgedeckt. Das schützt vor spätem Frost, und darunter wird es schneller warm.

Bauer Brun Möhren

Bundmöhren brauchen Handarbeit

Die Bundmöhrensaison dauert von der ersten Ernte Anfang Juni bis zu den ersten Nachtfrösten. Dann wird das Laub zu schlecht und man kann sie nicht mehr gut aus der Erde ziehen. Bundmöhren werden direkt auf dem Feld aufbereitet. Sie werden mit der Hand geerntet, dann gebündelt und mit einer Düsenwaschanlage gewaschen. In den großen Trommelwaschmaschinen würden sie kaputt gehen. Eine Poliermaschine mit großen Bürsten entfernt letzte Härchen und einen möglichen Grauschleier. Für Bundmöhren werden andere Sorten gesät als für Waschmöhren. Sie werden jünger geerntet, haben kräftigeres Laub und sind meist spitzer. Waschmöhren dagegen sind unten meist abgestumpft, etwas dicker und eignen sich daher besser zum Verpacken in Beutel und Schale.

„Eine perfekte Möhre muss einen süßen Geschmack haben,“ sagt Tobias Brun. Um das hinzukriegen, muss man wissen, welche Möhre auf welchem Boden besonders gut wächst. In England zum Beispiel werden ganz andere Möhren angebaut, die dort süß schmecken, aber auf den Münsterländer Böden nicht. Brun hat seine Sorten gefunden. Er produziert vor allem frische Ware für die REWE DORTMUND, meist so genannte Waschmöhren in Schalen oder Beuteln. Sie werden nach der Ernte erst gewaschen und dann von einer speziellen Kamera begutachtet: faule und kaputte Möhren werden mit Druckluft und unter großem Krach vom Förderband gestoßen. Die anderen werden erst von Hand und danach von einer Maschine nach Größen sortiert, um sie in die passenden Schalen zu packen. Überall in der Halle leuchten jetzt die orangefarbenen Möhren auf den verschiedenen Transportbändern.

Die Möhren, die jetzt im März verpackt werden, kommen mit Gabelstaplern aus den riesigen Lagerhäusern. Sie wurden schon im letzten Herbst geerntet und zusammen mit der Erde in mannshohen Kisten eingelagert. Die Lagermöhren stammen von Vertragsbauern aus dem Rheinland oder der Soester Börde. Dort ist der Boden lehmiger und bleibt deshalb an den Möhren kleben. Bei Dunkelheit und 0,3 Grad Celsius überwintern sie im Kühlhaus und werden täglich frisch verarbeitet. Die Laufzeit der Haltbarkeit läuft erst ab dem Waschen und Polieren. „Vorher merkt die Möhre eigentlich gar nicht, dass sie aus dem Boden raus ist,“ sagt Tobias Brun. Er ist zu Recht stolz auf seine Logistik: „Früher gab es hiesige Möhren nur bis Weihnachten. Aber durch unsere gute Lagertechnik und neue Sorten können wir regionale Ware jetzt bis Mitte Mai anbieten – und zwar frisch.“

Der Betrieb in Borken im westlichen Münsterland ist aus einem alten Hof hervorgegangen und wird in seiner jetzigen Form mittlerweile in dritter Generation geführt. Mit über 100 Mitarbeitern ist Frischgemüse Brun einer der führenden Anbauer von Waschund Bundmöhren, Porree, Suppengrün und Wurzelpetersilie in der Region. Von der Saat übers Pflügen, Düngen und Ernten bis hin zum Waschen, Verpacken und Ausliefern bietet der Betrieb alles aus einer Hand. Durch moderne Lagertechnik kann bis Mitte Mai frisches Gemüse aus der Region angeboten werden.

Nachgefragt - Bernhard Brun im Gespräch

Frage: Können Sie sich noch erinnern, wie Ihr Betrieb angefangen hat?

Antwort: Wer ihn gegründet hat, weiß ich nicht mehr. Das ging immer weiter. Gründer gibt es in Westfalen kaum, es sei denn, sie machen eine neue Firma auf.

Frage: Das heißt, den Hof gibt es schon seit dem Mittelalter?

Antwort: So ungefähr. Wir hatten immer einen landwirtschaftlichen Betrieb. Mein Großvater hatte schon einen Hof, mein Urgroßvater auch. Die hatten auch Vieh: Kühe und einen Schweinestall. In dem sitzen wir jetzt gerade, den haben wir vor 15 Jahren zum Büro umgebaut. Hier auf den Fotos können Sie sehen, wie das gewachsen ist. Wo das Wohnhaus war, steht jetzt die Maschinenhalle, diese Halle haben wir dran gebaut, dann noch eine Halle und zwei Kühlhäuser. Der alte Hof verschwindet fast. In den letzten 15 Jahren ging das richtig rund.

Frage: Womit hat denn die Veränderung begonnen?

Antwort: In den 60er Jahren haben wir angefangen mit Blumenkohl, Sellerie und Spinat für die Industrie. Dann sind wir irgendwann umgestiegen auf Frischmarktware. Und die Möhre hat sich als Hauptprodukt durchgesetzt. Und dann wollte ein Kunde plötzlich die Schalen. Die hat damals niemand benutzt. Wir hatten auch keine Schalenmaschine, wir wussten nicht, wo wir die Schalen herkriegen, gar nix. Da bin ich nach Italien gefahren, wo sie das schon gemacht haben, und wir haben das irgendwie zusammengestrickt. Sie haben natürlich immer einen Vorsprung, wenn sie was Neues haben, deshalb sind wir immer auf der Suche nach Innovationen für unsere Möhren.

Frage: Und wie hat sich das Leben auf dem Hof verändert in den letzten Jahren?

Antwort: Es ist immer noch familiär. Unsere Saisonarbeiter sind schon ewig hier und kommen immer wieder. Und viele Festangestellte sind auch schon mehr als 20 Jahre hier. Alle Mitarbeiter, die wir haben, stehen zu dem Betrieb. Wenn wir zum Beispiel säen, und morgen soll es Regen geben, dann fragt keiner nach Feierabend. Der sät, der sät, der sät und guckt nicht auf die Uhr. Das weiß auch jeder. Sonst könnte man so einen Betrieb gar nicht aufbauen.

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