Frische Eier von Anton Wessels aus Schöppingen

Frische Eier von Anton Wessels aus Schöppingen

Wenn Anton Wessels von seiner neuen Sortiermaschine erzählt, dann leuchten seine Augen. Bis zu 120.000 Eier pro Stunde schafft die neue FT 330 und sortiert automatisch alle Knick- und Schmutzeier aus. „Ich bin jetzt stolz,“ sagt er. „Wir haben die Maschine gekriegt, die alles vollautomatisch kann. Das ist doch das Herzstück unserer Firma. Dass ich das geschafft hab, da freu ich mich richtig drauf.“

Anton Wessels hat immer Eier verkauft. Schon sein Vater hat das getan und sein Großvater und auch schon dessen Großvater im 18. Jahrhundert. Vor einiger Zeit ist seine Firma umgezogen, einen Ort weiter von Metelen nach Schöppingen im nördlichen Münsterland. „Da haben wir lange mit uns gekämpft,“ erzählt Wessels. „Ich habe immer nur in meinem Elternhaus mit dem Betrieb gelebt und musste jetzt aus dem Haus weg und meinem Ort weg. Andere lächeln vielleicht, aber wir sind sehr Familien bezogen. Das fiel mir sehr schwer.“

Im Stall neben Wessels Elternhaus steht noch eine seiner alten Maschinen. Das Haus hat sein Vater 1974 neu gebaut. Früher stand dort ein altes Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert, mit Decken aus Eichenbrettern. „Aber das ging nicht mehr,“ sagt Wessels. Früher hatte die Familie außer Eiern auch noch Schweine und Kühe im Stall. Nach und nach haben sie die Tiere aufgegeben und alles umgebaut: Der Schweinestall wurde zum Lager, in den Kuhstall kam die Sortiermaschine. Doch irgendwann wurde es dort zu eng.

Die Sotiermaschine stand im Kuhstall

Die neue Halle in Schöppingen ist hell und geräumig. An einer Seite stehenPaletten mit Eiern, ordentlich sortiert nach Bioeiern und Boden-, Freilandund Käfighaltung. Acht Paletten insgesamt, 160.000 Eier noch, dann kommt die nächste Lieferung. 264.093 Eier sind heute schon durch. Das zeigt der große Zähler an der Wand. Als Ansporn? „Nein,“ sagt Wessels, und man glaubt es ihm: „Die sollen lieber auf Qualität achten.“ Rund eine Million Eier werden hier jeden Tag verpackt. „Das ist nicht viel,“ meint Wessels. Im Schnitt ist jeder Bundesbürger fast jeden Tag ein Ei. Gut 75 Millionen pro Tag. „Wir sind ein kleiner Betrieb. Angefangen haben die Wessels richtig klein. „Mein Großvater ist mit der Kiepe rum gegangen und hat von den Nachbarn die Eier gesammelt. Und wir haben die bei uns im Laden verkauft.“ Der Vater hatte dann irgendwann schon eine Kutsche und lieferte seine Eier bis ins Ruhrgebiet. Die Eier wurden mit dem Zug transportiert, und er holte sie in Recklinghausen oder Bochum am Bahnhof wieder ab und brachte sie zu den Marktständen, Hausierern und kleinen Läden.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Sache größer: Wessels Vater konnte sich einen Opel Blitz leisten, und mit dem kleinen Lkw klapperte er seine alten Abnehmer wieder ab und versuchte neue Kunden zu finden. „Ein Ei war damals Gold wert,“ erzählt Wessels, „das wurde für 27, 28 Pfennig gehandelt. Meine Nachbarsfrau hat immer gewartet, dass ihr Huhn wieder ein oder zwei Eier legte, und dann ist sie rüber gekommen und hat für die Kinder wieder Mehl oder sonst was gekauft. Die haben die Hühner gestreichelt bis zum Gehtnichtmehr.“

Anton Wessels im Stall

Nach dem Krieg waren Eier Gold wert

Mitte der 70er Jahre steigt Anton Wessels in den Betrieb ein. Damals hatten sie immer noch den Opel Blitz – aber schon die erste automatische Sortiermaschine. „Die konnte die Eier selbstständig in die Kästchen einpacken. Da hatte man dann auch schon eine Handelskette wie REWE als Abnehmer dabei.“ Von nun an wächst der Betrieb, das heißt vor allem: Die Sortiermaschinen werden nach und nach immer größer. In der neuen Halle werden für die REWE DORTMUND gerade Münsterländer Eier aus Bodenhaltung verpackt. Die großen Paletten fahren komplett in die Maschine, und die einzelnen Kisten werden automatisch vor die Saugnäpfe gefahren. Von dort kommen sie auf ein spezielles Förderband, das aus einzelnen Gliedern besteht. Entdecken die Spezialkameras schmutzige Eier oder Risse in der Schale, werden sie markiert. Dann öffnen sich die Glieder ein wenig und kaputte Eier fallen in den Müll, schmutzige gehen in die Industrie. Die guten fahren zur Verpackungsanlage. Die Hallenecke mit den frischen Eiern ist schon fast leer.

Anton Wessels fühlt sich immer noch etwas fremd hier. „Mein Herz hängt in Metelen,“ gibt er zu. Am meisten vermisst er, dass er nicht mal eben rüber gehen kann, nachts, wenn ihm die besten Ideen kommen, und gucken, ob es wirklich besser wäre, wenn man dies oder jenes verändert. Und auch seine Mutter ist traurig, dass es so still geworden ist im Haus. Sie hat für ihr Leben gern an dem alten Holzofen gekocht, der im Durchgang zur Sortiermaschine stand. „Da kamen dann immer alle vorbei und sagten: ‚Oma, geh mal fünf Minuten weg. Ich klau dir mal ne Frikadelle.’“ Es riecht heute noch nach gutem Essen. Für einen Moment sieht Anton Wessels sehr traurig aus, dann sagt er: „Aber wenn man mit der Zeit mitgehen will, muss man investieren. Für die Kinder.“

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