Feinbäckerei Esser aus Mönchengladbach

Feinbäckerei Esser aus Mönchengladbach

Zuckerbäcker aus Leidenschaft

Jürgen Esser ist überall. Er kontrolliert die Waffelmaschine, drückt die fertigen runden Waffeln auf kleine Kleckse von Nougatcreme und überlegt dann noch, wie man die Arbeit am nächsten Automaten, der die großen Waffelplatten schneidet, vereinfachen kann. Jürgen Esser ist Bäcker und Unternehmer aus Leidenschaft. Früher hätte man ihn Zuckerbäcker genannt. Heute heißt das Süßwarenfachtechniker.

Die Feinbäckerei Esser in Mönchengladbach setzt auf Handarbeit

Gerade wird Essers knusprige Waffelmischung für die REWE DORTMUND sortiert und verpackt – von Hand. Deshalb ist sie auch so vielseitig. „Da sind so viele Sorten drin. Das würden andere gar nicht machen. Aber bei uns ist ohnehin fast alles mit der Hand gemacht,“ sagt Essers Tochter Sabina Groß, die im Betrieb für das Kaufmännische zuständig ist. Manche Waffeln laufen zwei Mal durch die Füllmaschine: Die Erdbeer-Sahne oder Vanille-Kakao-Waffeln müssen nach der ersten Füllung alle noch mal aufgelegt werden. Dann kommt der zweite Klecks Füllung, dann die obere Waffel. Trotzdem schaffen sie hier an einem normalen Vormittag eine ganze Tonne.

Es beginnt auf dem Wochenmarkt

Vor 31 Jahren hat Jürgen Esser seinen kleinen Betrieb gegründet. Das Backen hat er bei seinem Vater gelernt. Auch der hat schon Waffeln gebacken. Als er die Ware seines Vaters an Marktbeschicker ausliefert kommt ihm eines Tages eine Idee: „Ich sah da zwei alte Verkaufswagen stehen und habe gefragt, ob er mir einen verkauft. Kein Problem, sagt der, für 2.000 Mark kannst du ihn haben. Also bin ich zur Bank und stand ein paar Tage später schon auf dem Markt in Gladbach-Rodenkirchen.“ Am ersten Tag nimmt Jürgen Esser schon knapp 300 Mark ein. Esser ist jetzt Kaufmann. Das Backen überlässt er erstmal anderen. „Das war wie ein Selbstläufer. Ich hab den zweiten gebrauchten Hänger gekauft und acht Jahre lang sehr gutes Geld verdient.“ Davon kauft er die alte Volksschule in Mönchengladbach-Buchholz, und heute steht auf dem Schulhof die kleine Keksproduktion. Ziemlich ländlich ist es hier. Aus den großen Fenstern der Produktionshalle schweift der Blick über weite Felder. Im Anbau nebenan verkauft Jürgen Esser Konfekt und Plätzchen. „Es füllte mich nicht aus,“ erzählt Esser, „jeden Tag zum Markt, danke schön, bitte schön. Ich wollte selbst produzieren.“ Esser sieht die Fehler der Lieferanten. Er weiß, was er besser machen könnte. „Ich hatte das ja von der Pike auf gelernt.“ Besonders das Trockenobst mit Schokolade überzogen reizt ihn. „Das wollte ich unbedingt machen.“

Der Erfolg kommt mit Trockenobst in Schokolade

Von nun an produziert er für seinen eigenen Vertrieb. Das überzogene Trockenobst entpuppt sich als Marktlücke. Dann backt er seine ersten Waffeln selbst, schließlich auch Kekse. Die Marke Esser ist im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde. Noch heute verkauft er sein Gebäck auf 17 verschiedenen Wochenmärkten. Seine Frau steht noch selbst im Wagen. Esser setzt weiter auf Handarbeit, weil das Trockenobst nun mal nicht mit der Maschine aufgelegt werden kann, und weil er das Trockenobst mit Schokolade nun mal so gerne mag. Und er profitiert davon, dass viele Mitbewerber beginnen für Discounter zu produzieren. „Die haben dann nur noch wenige Sachen in großer Auflage gemacht, und wir sind in die Nischen rein gegangen.“ In der Theke von Essers kleinem Werksverkaufgeschäft liegt wirklich alles: Trüffel, Spritzgebäck, Waffeln in allen Formen und mit allen möglichen Füllungen und natürlich Feigen, Äpfel, Datteln in heller, dunkler und weißer Schokolade. „Diese Kirschbissen zum Beispiel, die haben andere aus dem Programm genommen,“ sagt Sabina Groß. Sie empfindet es als Stärke, dass sie so viele Abnehmer haben: „Wir haben den direkten Kontakt zu unseren Kunden, die können dann auch mal was Spezielles bestellen.“ Und sie kriegen die Ware so frisch wie es andere kaum hinbekommen. „Bei uns wird teilweise morgens noch produziert, was der Fahrer dann mitnimmt,“ erzählt Sabina Groß. „Normale Weihnachtsartikel werden im Sommer produziert. Wenn sie bei uns einen Spekulatius kaufen, dann ist der teilweise morgens erst aus dem Ofen gekommen.“ Jürgen Esser hört das schon nicht mehr. Er sitzt an der Keksmaschine und füllt kleine Tütchen.

Bild: Feinbäckerei Esser aus Mönchengladbach

Nachgefragt - Jürgen Esser im Gespräch

Frage: Sie haben Bäcker gelernt und dann aber erstmal einen Umweg gemacht. Warum?

Antwort: Mein Vater nach dem Krieg mit Eiswaffeln angefangen. Dort habe ich auch eine Lehre gemacht, aber ich habe mich mit ihm nicht so gut verstanden und bin erstmal in einen anderen Betrieb gegangen. Mein Vater hatte immer tolle Einfälle. Wenn ich an seine Visionen denke, hat er mir so viel gebracht, dass ich manchmal heulen könnte. Aber er konnte nicht mit Geld umgehen. Das war ein großes Problem. Beeinflusst Sie das heute noch? Ja, mich macht das vorsichtig. Wir haben das hier alles bezahlt, weil ich die Misere bei meinen Eltern mitgemacht habe. Mein Ziel ist es, alles in die richtigen Bahnen zu leiten, so dass meine Tochter das übernehmen kann.

Frage: Gibt es Dinge, die Sie vorher noch herstellen möchten?

Antwort: Ja, Florentiner, so Königinnengebäcke, das würde mich reizen, die auch zu automatisieren. Aber das Wahrzeichen vom Konditor ist ja der Baumkuchen. Früher war das die hohe Konditoreikunst. Inzwischen hat das eine Firma automatisiert. Das ist auch traurig, dass die Entwicklung so ist. Die Tradition bleibt ein wenig auf der Strecke bei der ganzen Globalisierung.

Betrieb & Tradition

Die Firma Esser Konfekt- und Feingebäckherstellung wurde 1969 von Jürgen Esser auf dem Geländer der ehemaligen Volksschule in Mönchengladbach-Buchholz gegründet. Wegen der stetig steigenden Nachfrage wurde der Betrieb im Laufe der Jahre mehrfach erweitert. Heute produzieren 35 Mitarbeiter unter der Leitung von Jürgen Esser und seiner Tochter Sabina Groß Feingebäck, Waffel- und Konfektspezialitäten. Bestimmend für die Firmenphilosophie sind die Liebe zum Produkt, die Achtung vor den Rohstoffen und der Respekt gegenüber dem Kunden.

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